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Design Thinking: 5 inspirierende Best-Practice-Beispiele


Was ist Design Thinking? Durch Best-Practice-Beispiele wird das Potenzial dieses Frameworks klarer. Deshalb stelle ich fünf überzeugende Produkte bzw. Dienstleistungen vor, die durch einen nutzerzentrierten Designprozess entstanden sind. Sie eignen sich hervorragend als inspirierende Impulse in Workshops und Trainings.


In Design Thinking Workshops werden oft zwei in die Jahre gekommene Beispiele vorgestellt, um die Wirksamkeit der Methode zu verdeutlichen: Der Embrace Babywarmer für Frühgeborene in ländlichen Regionen und das auf die Bedürfnisse von Kindern angepasste MRT-Scan-Erlebnis „The Pirat Ship“ von Doug Dietz. Weil ich Abwechslung liebe, habe ich mir ein Archiv mit aktuellen Beispielen für nutzerzentriertes Design angelegt. In diesem Artikel beschreibe ich fünf Favoriten, die immer sehr gut in Workshops ankommen. Diese Beispiele eignen sich für den Einsatz in Design Thinking sowie Design Sprint Formaten sowie in Trainings zur menschenorientierten Transformation von Teams und Organisationen. Neben mehreren B2C-Beispielen gibt es auch eins aus dem B2B-Bereich.



Beispiel 1: Glow Light – Eine Nachttischlampe für die ganze Familie


Der Matratzenhersteller Casper hat es geschafft, das eigene Produkt-Portofolio mit einer Nachttischlampe sinnvoll und strategisch zu erweitern. Die durchdachte Casper Glow Light ist das Ergebnis eines umfangreichen, nutzerzentrierten Designprozesses, der mehrere Zielgruppen – Kinder und Erwachsene – berücksichtigt und verschiedene Bedürfnisse in unterschiedlichen Nutzungssituationen anspricht (Einschlafen, Aufwachen, nächtlicher Toilettengang). Die Lampe ist intuitiv und spielerisch bedienbar, kann kabellos mobil genutzt werden und verfügt über App-basierte Zusatzfunktionen. Das Ergebnis ist überraschend einfach, funktional und schön. Casper Glow Light ist mein Lieblingsbeispiel für nutzerzentrierte Produktentwicklung. Jedes Mal, wenn ich Casper in einem Workshop vorstelle, fragen Teilnehmende direkt nach dem Kaufpreis der Lampe, was ein klares Zeichen für echte Begeisterung ist. In diesem Video erhältst du einen Einblick in den Designprozess von Glow Light.


Die Nachttischlampe Casper Glow Light
Die Nachttischlampe Casper Glow Light

Beispiel 2: Toniebox – Ein Hörspielgerät für Kinder


Zwei schwäbische Tüftler adressieren mit dieser Produktinnovation eine besonders junge Zielgruppe: Kinder. Die Toniebox ist robust, einfach zu bedienen und hat über WLAN Zugriff auf eine große Hörspieldatenbank. Diese wird mithilfe von physischen Artefakten, den sogenannten Tonies, die auf der Box platziert werden, angesteuert. Das Konzept löst z. B. folgende Herausforderungen: ein MP3-Player ist für Kinder oft zu kompliziert in der Bedienung, ein Tablet bietet durch das große Display ein erhöhtes Ablenkungspotenzial. Die Toniebox war in den ersten Jahren nach Markteinführung so erfolgreich, dass die Geräte zu Weihnachten oft ausverkauft waren. Diese Lösung zeigt, dass ein innovatives technisches Produkt auch ohne Display auskommt und die Reduktion auf wesentliche Funktionen ein starkes Alleinstellungsmerkmal ist. Die Grundvoraussetzung für so eine Produktentwicklung ist natürlich, dass die Zielgruppe klar definiert wird und die spezifischen Bedürfnissen und Herausforderungen erkannt und adressiert werden.

Das Hörspielgerät Toniebox
Das Hörspielgerät Toniebox


Beispiel 3: b8ta – Ein Ladenkonzept für Entdecker*innen


Es ist ein Dilemma: Menschen kaufen online ein, möchten die Produkte aber eigentlich live in Bezug auf Haptik, Verarbeitung und Benutzbarkeit erleben und prüfen. Das ist besonders für Start-ups und kleine Unternehmen eine Herausforderung, denn Ladenflächen in gut frequentierten Großstadtlagen sind teuer. b8ta löst genau dieses Bedürfnis bzw. diese Herausforderung durch ein innovatives Ladenkonzept. Das Geschäftsmodell von b8ta basiert nicht auf dem Verkauf der ausgestellten Produkte. Stattdessen versteht sich der Laden explizit als Entdeckungs- und Erlebnisfläche für Neugierige und Technikbegeisterte. b8ta vermietet die diversen Präsentationsflächen in den Läden an Start-ups und Hersteller, die neue Produkte und Prototypen live einem interessierten Publikum vorstellen möchten. Die Läden sind mit digitaler Tracking-Technik ausgestattet, mit deren Hilfe qualitative Nutzerdaten und detaillierte Nutzerfeedbacks erfasst und an die Hersteller übermittelt werden. Die Mitarbeitenden in den Shops treten in einer beratenden und nicht in einer verkaufenden Rolle auf. Für b8ta ist es zweitrangig, ob die Besucher*innen ein Produkt direkt im b8ta-Store kaufen oder anschließend online. Leider hat b8ta aufgrund von stark gesunkenen Besuchszahlen durch die COVID-19-Pandemie 2022 alle Läden geschlossen. Ich hoffe, dass dieses innovative Konzept bald eine zweite Chance erhält.


Die Inneneinrichtung von einem b8ta-Store
Das innovative Ladenkonzept b8ta

Beispiel 4: Amparo – Eine Prothese für Menschen in ländlichen Regionen


The Confidence Socket von Amparo ist eine innovative Beinprothese. Das orthopädische Produkt ist durch ein Design Thinking Projekt am Hasso Plattner Institut in Potsdam entstanden. Die Herausforderung war es, einen Prozess für eine einfachere Anpassung von Prothesen in Entwicklungsländern zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Produkt, welches unmittelbar vor Ort bei den Patient*innen zu Hause modifiziert werden kann. Dadurch entfallen aufwendige Fahrten zur Anpassung in entfernte Krankenhäuser. Die Beinprothese von Amparo ist ein tolles Beispiel, um die soziale Innovationskraft von menschenzentrierten Designprozessen zu verdeutlichen.


Die Beinprothese von Amparo
Die Beinprothese von Amparo


Beispiel 5: ProGlove – Ein Handschuhscanner für Mitarbeitende in der Logistik


ProGlove ist das bereits erwähnte B2B-Beispiel. Der in München entwickelte smarte Handschuh mit integriertem Scanner vereinfacht den Arbeitsalltag von Mitarbeiter*innen in der Logistik. Gesteuert wird der Scanvorgang durch einfache Gesten, die sich intuitiv in die bestehenden Arbeitsabläufe integrieren lassen. Der Einsatz des Handschuhes im Lager fördert ein sicheres und ergonomisches Arbeiten. Die Mitarbeitenden können dauerhaft freihändig agieren und müssen ihre Arbeitsabläufe nicht ständig unterbrechen, um Scanvorgänge auszuführen. ProGlove bietet sowohl für die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen eine Reihe von Mehrwerten. Durch die Optimierung der Arbeitsprozesse werden nicht nur Verletzungen vermieden, sondern es erfolgt auch eine Zeitersparnis, und diese führt zu wirtschaftlichen Vorteilen für die gesamte Organisation.


Der Handschuhscanner ProGlove im Einsatz
Der Handschuhscanner ProGlove

Negativbeispiel: Juicero – Eine Saftpresse für Hipster ;)


Zum Abschluss kommt noch ein Beispiel für das Scheitern eines scheinbar nutzerzentrierten Produktes. Die Silicon-Valley-Saftpresse Juicero, in die Googles Mutterkonzern Alphabet 120 Millionen Dollar investiert hat, bezog sich 2016 auf aktuelle Gesundheits- und Convenience-Trends. Aufgrund von mangelnder Funktionalität und eines sehr hohen Preises konnte sich die Saftpresse jedoch nicht am Markt behaupten. Käufer*innen fanden schnell heraus, dass sich die exklusiven Saftpäckchen ganz einfach per Hand, also auch ohne die 700 Dollar (später 400 Dollar) teure Hightech-Presse, ausquetschen ließen. Das amüsante Beweisvideo kannst du dir auf YouTube ansehen. Juicero ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine technikgetriebene Innovation scheitert, wenn kein relevantes Nutzerproblem gelöst wird.


Die Saftpresse Juicero
Die "Hightech"-Saftpresse Juicero

Eine sinnvolle Auswahl und Präsentation


Diese Beispiele unterstützten dich dabei, das Potenzial von Design Thinking und nutzerzentrierten Designprozessen nachvollziehbar in Trainings und Workshops zu vermitteln. Die Teilnehmenden in meinen Workshops lieben diese inspirierenden Impulse sehr, deshalb empfehle ich dir, mehrere davon in dein Format zu integrieren. Achte bei der Auswahl auf den jeweiligen Kontext. Der Lerneffekt ist umso größer, je näher die Beispiele am Alltag der Teilnehmenden oder den Produkten und Dienstleistungen der jeweiligen Organisation sind. Zeige bei einer Organisation im B2B-Bereich, wo kein direkter Endkundenkontakt besteht, im Idealfall auch ein B2B-Beispiel, z. B. den Handschuhscanner ProGlove. Durch das Negativbeispiel Juicero kannst du eindrücklich zeigen, welche Chancen verschenkt werden, wenn der technische Aspekt einer Lösung dominiert und die Zielgruppe nicht ausreichend bei der Entwicklung berücksichtigt wurde.


Ich stelle ein Design Thinking Beispiel in 5 Minuten und mit max. 5 Präsentations-Slides vor. Falls verfügbar, zeige ich auch ein kurzes Video, in welchem die Funktionalität deutlich wird (z. B. bei Casper Glow Light oder ProGlove). Bei Interesse sende ich dir gerne die Slides zu einem der Beispiele kostenfrei per E-Mail. Melde dich einfach über das Kontaktformular.


Zum Abschluss noch ein zum Thema passender Lesetipp: 6 Tipps für einen erfolgreichen Design Thinking Workshop.


Du suchst einen erfahrenen Coach und Moderator für einen Design Thinking oder Design Sprint Workshop? Dann melde dich für ein kostenfreies Beratungsgespräch.




Fotos von Casper, Tonies, David Jones auf Unsplash (b8ta-Store), Amparo, ProGlove und Juicero.

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