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6 Tipps für einen Design Thinking Workshop


Ich moderiere seit 10 Jahren Workshops, habe in dieser Zeit viele Fehler gemacht und vieles gelernt. Besonders bei Design Thinking Formaten gibt es etliche Stolpersteine, die du vermeiden kannst. Aus diesem Grund teile ich 6 wertvolle Tipps mit dir, die sich teilweise auch auf andere Workshops (z. B. Design Sprint, Strategie, Purpose, Vision) übertragen lassen. Als Grundlage starte ich mit einer Definition von Design Thinking und beschreibe kurz die Phasen dieses nutzerzentrierten Designprozesses.


Inhaltsverzeichnis:





1. Was ist Design Thinking?


Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise zur Lösung komplexer Probleme mit Hilfe von nutzerzentrierten Designmethoden und unter Berücksichtigung der technischen Umsetzbarkeit sowie der Marktfähigkeit.


Wir haben also drei Bereiche: Nutzerzentrierung, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Der Fokus liegt aber ganz klar auf dem nutzerzentrierten, dem frühen und bewussten Involvieren von Menschen in Recherche- und Entwicklungsphasen. Ein Zitat von David Kelley, dem Gründer von IDEO, verdeutlicht das:


„Das Kernelement von Design Thinking ist das menschenzentrierte Denken und Handeln.“

Eine Visualisierung des Double Diamond Designprozess
Der Double Diamond Designprozess


2. Die 4 Design Thinking Phasen


In Artikeln und Büchern über Design Thinking beschreiben die Autor*innen das Vorgehen oft mit 5 bis 7 Phasen. Ich mag Klarheit und Reduktion, deshalb orientiere ich mich an den 4 Phasen des Double Diamond Designprozesses. Diese 4 Phasen bilden auch die Grundlage für Design Thinking, dort werden lediglich einige davon weiter unterteilt. Die grundlegenden 4 Phasen lauten: Verstehen, Definieren, Entwickeln und Testen.


  1. Die Situation verstehen und erkunden: Es geht um das ganzheitliche Verstehen der Herausforderung und eine Prüfung der bestehenden Annahmen. Verstehen bezieht sich dabei auf ein Involvieren diverser interner Perspektiven und Erkunden auf die externen, durch z. B. Interviews mit Nutzer*innen und Kund*innen.

  2. Den Fokus definieren: Hier geht es darum, zu fokussieren und eine spezifische Herausforderung oder Perspektive für die weitere Ausarbeitung auszuwählen. Das Team wählt gemeinsam die wichtigsten Erkenntnisse aus und entscheidet dann für welche konkrete Herausforderung Lösungen erarbeitet werden.

  3. Ideen entwickeln und prototypisch umsetzen: Das Team entwickelt jetzt in Bezug auf den zuvor definierten Fokus Ideen und setzt die überzeugendsten in Form von einfachen Prototypen um.

  4. Die Ideen testen und verbessern bzw. verwerfen: Im letzten Schritt werden die prototypisch umgesetzten Ideen mit der echten Zielgruppe getestet. Aufbauend auf den gewonnen Erkenntnissen aus den Tests wird dann entschieden, welche Ideen weiter ausgearbeitet und welche verworfen werden.



3. Tipps für einen erfolgreichen Workshop


Damit du einige der typischsten Fehler vermeiden kannst, die besonders in den ersten Workshops auftreten, gebe ich dir sechs Tipps für die Vorbereitung, Planung und Durchführung eines erfolgreichen Design Thinking Workshops. Außerdem nenne ich jeweils ergänzende Fragen, die dir helfen Klarheit zu gewinnen, sodass bewusste und sinnvolle Entscheidungen möglich werden.



4. Design Thinking eignet sich nicht für jedes Problem.


Design Thinking eignet sich besonders für „Wicked Problems”, hochkomplexe Probleme, die mit herkömmlichen linearen Methoden kaum zu lösen sind. Komplex bedeutet z. B., dass diverse Beteiligte und Variablen involviert sind, Zusammenhänge unbekannt sind und menschliche Bedürfnisse sowie Verhaltensweisen im Fokus stehen. Technische Probleme oder „Tame Problems” hingegen lassen sich besser durch lineare Prozesse lösen. Prüfe direkt zu Beginn, um welche Art von Problem es sich handelt, damit du bewusst entscheiden kannst, welches Workshop-Format bzw. welcher Lösungsprozess sich am besten eignet. Vielleicht kommst du mit einem Design Sprint oder Strategie-Workshop besser zum Ziel?


Klärende Fragen:

  • Welche Art von Herausforderung oder Problem liegt vor? Wicked oder Tame? Technisch, sozial oder ökologisch?

  • Gibt es viele Beteiligte oder unbekannte Variablen?

  • Welches Ergebnis soll entstehen: eine „radikale” Innovation oder eine inkrementelle Verbesserung?



5. Ein multidisziplinäres Team ist entscheidend für ganzheitliches Denken und Handeln.


Die Lösung von komplexen Problemen, bei denen vieles unbekannt ist, kann nur gelingen, wenn die relevanten Perspektiven bereits in den Verständnisprozess involviert werden. Ein effektives Design Thinking Workshop-Team ist genau deshalb multidisziplinär und enthält Stellvertreter*innen aus allen relevanten Bereichen. Einseitig ausgerichtete und homogene Teams denken und handeln oft zu eindimensional. Achte bei der Zusammenstellung deines Teams auch darauf, dass du Menschen auswählst, die experimentierfreudig, neugierig, optimistisch und offen für die Arbeit im Team sind. Je nach Thema und Historie kann es zudem sinnvoll sein ausgewählte Entscheider*innen in den Workshop zu involvieren.


Klärende Fragen:

  • Welche Kolleg*innen verfügen über eine günstige Haltung für einen co-kreativen Designprozess?

  • Welche Perspektiven aus welchen Abteilungen sind wichtig für ein ganzheitliches Verständnis der Herausforderung?

  • Welche Kritiker*innen oder Entscheider*innen sind wichtig für langfristigen Erfolg?



6. Eine erfahrene Moderation ist entscheidend für einen effektiven Ablauf des Workshops.


Ein Team kommt für mehrere Tage zusammen, um gezielt an der Lösung einer Herausforderung zu arbeiten. Damit dieser Arbeitsprozess so fokussiert und optimal wie möglich stattfinden kann, ist es grundlegend, dass eine erfahrene Person mit den entsprechenden Fähigkeiten (Präsenz, Struktur, Klarheit, Improvisation, Methodenkenntnis, eventuell Designhintergrund) den Design Thinking Workshop moderiert. Der Vorteil einer externen Moderation ist zudem, dass keine internen Hierarchiekonflikte provoziert werden.


Klärende Fragen:

  • Welches Format passt am besten zur Herausforderung?

  • Wer hat Erfahrungen in der Vorbereitung und Durchführung von solchen Formaten?

  • Welche interne bzw. externe Person kann die Moderation übernehmen, ohne Hierarchiekonflikte zu provozieren?



7. Der Dialog mit der echten Zielgruppe ist entscheidend für wertvolle Erkenntnisse und die Prüfung der Annahmen.


Es macht meistens keinen Sinn während eines Workshops einfach auf die Straße zu gehen und dort zufällig Passant*innen anzusprechen oder per Marktforschungsinstitut Proband*innen zu akquirieren. Wertvolle Erkenntnisse entstehen dann, wenn Gespräche mit echten Kund*innen und Nutzer*innen geführt werden. Plane deshalb genug Zeit ein, um die passenden Kontakte zu finden und vereinbare Interviewtermine im Rahmen des Workshops, sodass alle Teilnehmenden live und direkt miterleben, wenn wertvolle Erkenntnisse entstehen und Annahmen geprüft werden.


Klärende Fragen:

  • Welche Annahmen und Fragen möchtest du klären?

  • Für welche Zielgruppe möchtest du Lösungen erarbeiten?

  • Welche Vertreter*innen der Zielgruppe möchtest du besser verstehen?



8. Designkompetenz im Team ist entscheidend für einen testbaren Prototypen.


Erkenntnisse führen zu Ideen und diese lassen sich mithilfe von Prototypen testen. Damit sinnvolle und überzeugende Prototypen entstehen, empfehle ich dir mindestens eine Person mit Designkompetenz im Team einzuplanen. Je nach Projektfokus kann dies ein*e Kommunikations-, Interface, Produkt oder Urban Designer*in sein. Ohne testbare Prototypen entsteht kein brauchbares Testergebnis und somit auch keine fundierte Entscheidungsgrundlage für oder gegen die Umsetzung von Lösungsideen. Ich habe es leider oft miterlebt, dass keine Designkompetenz im Workshop-Team vorhanden war und deshalb unbrauchbare Prototypen entstanden sind, die kaum Erkenntnispotenzial im Test hatten.


Klärende Fragen:

  • Welche Ergebnisse und Lösungen erwartest du? (z. B. App, Website, Produkt, Broschüre, Dienstleistung oder Prozess)

  • Welche Designkompetenz benötigst du im Team für die Umsetzung von Prototypen?

  • Wer hat Erfahrung in der Umsetzung von Prototypen?



9. Eine aussagekräftige Dokumentation ist entscheidend, damit es nach dem Workshop effektiv weitergehen kann.


Egal ob ein Design Thinking Workshop durch interne oder externe Coaches begleitet und moderiert wird, am Ende erfolgt die Übergabe der wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse in Form einer Dokumentation. Hierfür empfehle ich eine reduzierte und aussagekräftige Form mit klaren Handlungsempfehlungen sowie einem detaillierten Zeitplan mit Aufgaben und Verantwortungen. Absolut nicht empfehlenswert ist eine einfache Fotodokumentation voller Post-it-Wände. Die Aussagekraft der Dokumentation entscheidet darüber, ob ein Projekt weitergeht und falls ja, ob nach dem Workshop wirklich effektiv weiter gearbeitet werden kann.


Klärende Fragen:

  • Wen im Unternehmen willst du durch die Dokumentation bzw. die Ergebnisse überzeugen, damit das Projekt weitergehen kann?

  • Welche Inhalte und Klarheit (Projekte, Aufgaben, Verantwortungen) benötigen du und dein Team, damit die Arbeit nach dem Workshop direkt und effektiv weitergehen kann?

  • Wer hat die nötige Erfahrung, um am Ende des Workshops eine aussagekräftige Dokumentation zu erstellen?



10. Zusammenfassung


Bei allen Tipps geht es um Klarheit: Was genau ist die Herausforderung? Welches Workshop-Format passt am besten? Welche Ziele verfolgst du mit der Lösung des Problems? Wer ist die Zielgruppe? Wen willst du mit den Ergebnissen überzeugen? Je klarer du diese Fragen bereits in der Vorbereitungsphase beantwortest, desto effektiver kannst du den Workshop planen und durchführen. Überlasse nichts dem Zufall, sei optimal vorbereitet und rechne mit überraschenden Situationen und Erkenntnissen. Workshops sind immer auch ein Abenteuer.


Zum Abschluss noch ein zum Thema passender Lesetipp: 5 inspirierende Design Thinking Beispiele.



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