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Einfach erklärt: Vision, Mission und Strategie


Ein Team sitzt um einen Tisch und arbeitet an einer Strategie
Strategieentwicklung im Team

Ein gemeinsames Verständnis der Begriffe Vision, Mission und Strategie ist die Grundlage für eine effektive Strategieentwicklung. In diesem Artikel erkläre ich die Unterschiede und gebe ein einfaches Beispiel sowie Tipps für die Kommunikation nach einem Workshop.


Inhaltsverzeichnis:


1. An wen richtet sich dieser Artikel?


Ich moderiere Strategie-Workshops und Klausurtagungen, auf denen ich mit Mitarbeitenden an der zukünftigen Ausrichtung der Organisation arbeite. Dabei bemerke ich oft, dass es den Teilnehmenden schwerfällt, zwischen den Begriffen Vision, Mission und Strategie zu unterscheiden. Diese Verwirrung erschwert die Definition von klaren strategischen Projekten und Aufgaben für den Arbeitsalltag.


Dieser Artikel enthält meinen Vorschlag für die Begriffsdefinitionen sowie ein Strategie-Beispiel aus der Nachbarschaft und richtet sich an Teams, Coaches und Moderator*innen, die effektiver an strategischen Themen arbeiten möchten.



2. Was bedeuten Vision, Mission und Strategie?


Nicht nur Anglizismen irritieren die Teilnehmenden in Workshops, auch ein einheitliches Verständnis deutscher Worte ist nicht selbstverständlich. Aus diesem Grund definiere ich direkt zu Beginn eines Strategie-Workshops die Bedeutung der Begriffe Vision, Mission und Strategie gemeinsam mit dem Team. Hierzu gebe ich zuerst Impulse oder mache einen konkreten Vorschlag, den das Team im nächsten Schritt überarbeitet.


Bei dieser Überarbeitung ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden Fremdwörter und irritierende Formulierungen gegen vertraute Begriffe austauschen. So entstehen Ergebnisse, die wirklich zu den Menschen, ihrem Arbeitsalltag und zur Organisation passen. Das Ziel dieser Überarbeitung sind Begriffsdefinitionen, die auch nach dem Workshop, in Form einer Präsentation oder Ergebnisdokumentation, von unbeteiligten Kolleg*innen oder Dritten verstanden werden. Ich nutze die folgende Definition als Grundlage für die Arbeit in Strategieprozessen und Workshops.


Eine Grafik mit einem Berg, die die Begriffe Vision, Mission und Strategie erklärt
Vision, Mission und Strategie

Die Vision

beschreibt einen wünschenswerten und inspirierenden Zielzustand in der Zukunft (zwischen 3 bis 10 Jahre), welcher die Mitarbeitenden leitet und motiviert. Eine effektive Vision ist kurz (1 bis 3 Sätze), wünschenswert (gesellschaftlich, sozial oder ökologisch), herausfordernd und gleichzeitig realistisch. Eine Vision enthält keine Rendite- oder Umsatzziele.

Fragen zur Klärung der Vision lauten:

  • Was möchten wir als Organisation langfristig erreichen?

  • An welchem wünschenswerten Ziel in der Zukunft arbeiten wir gemeinsam?


Die Mission

beschreibt, wie die Organisation in der Gegenwart, durch welche Aktivitäten, Dienstleistungen und Produkte zur Realisierung der Vision beiträgt. Eine effektive Mission ist prägnant (3 bis 6 Sätze) und geht auf die Unternehmenswerte, die Zielgruppe*n sowie den für diese entstehenden Mehrwert ein.

Fragen zur Klärung der Mission lauten:

  • Welchen Beitrag leisten wir, damit unsere Vision Realität wird?

  • Wem liefern wir in welcher Form welchen Mehrwert?


Die Strategie

enthält eine kluge Auswahl von Potenzialen (Ich nutze die Bezeichnung Potenziale stellvertretend für Handlungsmöglichkeiten.), die es der Organisation ermöglichen, die Mission und Vision zu erfüllen. Eine effektive Strategie sagt bewusst Ja und Nein zu Potenzialen und lässt sich flexibel anpassen, falls sich die Einflussfaktoren verändern. Bei der Potenzialauswahl werden neben den Werten auch das bestehende Know-how, die finanziellen Ressourcen sowie die Kapazitäten der Mitarbeitenden berücksichtigt.

Fragen zur Klärung der Strategie lauten:

  • Welche Potenziale passen zu unseren Ressourcen und unserer Vision?

  • Zu welchen Potenzialen sagen wir bewusst Ja, und zu welchen Nein?

  • Welche Potenziale priorisieren wir in den nächsten 1 bis 3 Jahren?


Die Werte

sind die Grundlage für das alltägliche Handeln, sowohl intern als auch extern, deshalb nenne ich sie an dieser Stelle ergänzend. Sie bilden die Spielregeln für die Zusammenarbeit und wirken als ethischer und moralischer Kompass auch auf alle zuvor genannten Begriffe.


Fragen zur Klärung der Werte lauten:

  • Wofür stehen wir als Unternehmen, unabhängig von Gewinn und Wachstum?

  • Wie arbeiten wir zusammen?

  • Wie tun wir das, was wir tun?



3. Ein Strategie-Beispiel aus der Nachbarschaft


In Strategie-Artikeln und -Workshops werden beispielhaft die Visionen und Missionen von Technologieunternehmen aus dem Silicion Valley (z. B. Google, Tesla, Apple, Facebook oder Amazon) genannt. Auf den ersten Blick ist das interessant, denn wir nutzen deren Produkte täglich und sind fasziniert vom Erfolg. Auf den zweiten Blick sind diese amerikanischen Unternehmen weit entfernt vom Arbeitsalltag und der Unternehmenskultur in Deutschland. Aus diesem Grund nutze ich ein fiktives, aber realistisches Beispiel aus der Nachbarschaft zur Veranschaulichung der Begriffe. Bewerte dieses Beispiel als Inspiration in der strategischen Arbeit mit deinem Team und modifiziere es bei Bedarf. Stell dir folgendes Szenario vor.


Innenansicht von einem Eisladen in Berlin
Ein Eisladen in der Nachbarschaft
Es ist Sommer. Du stehst in einem Eisladen in deiner Nachbarschaft, den du kürzlich auf Instagram entdeckt hast. Die Atmosphäre ist warm, einladend und lebendig. Es gibt klassische und außergewöhnliche Eissorten. Die Zutaten sind ökologisch, viele kommen aus der Region. An der Wand entdeckst du einen Event-Kalender, nächste Woche findet hier eine Lesung statt. Wie könnten die Vision, Mission und Strategie des Eisladens lauten?

Die Vision: An welchem wünschenswerten Ziel arbeiten wir?

  • In unserer Vision gibt es in jeder Nachbarschaft einzigartige Orte, die Menschen kulinarisch und kulturell verbinden. Hier treffen sich alle Generationen, genießen gemeinsam und stärken ihre Gemeinschaft.


Unserer Mission: Was tun wir damit unsere Vision Wirklichkeit wird?

  • Unsere Mission besteht darin, einzigartige Eisläden zu eröffnen und zu betreiben. Dabei berücksichtigen wir bewusst die Bedürfnisse der jeweiligen Nachbarschaft. Wir kreieren mit Leidenschaft hochwertige Eissorten und legen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und faire Preise.


Unsere Strategie: Welche Potenziale priorisieren wir in den nächsten 1-3 Jahren?

  • Unser Alleinstellungsmerkmal ist Einzigartigkeit durch Beteiligung: Wir involvieren die Menschen vor Ort bei der Auswahl von Eissorten und Veranstaltungen, sodass jeder Eisladen die Einzigartigkeit der Menschen und der Nachbarschaft widerspiegelt.

  • Wir bieten ökologische und hochwertige Produkte an und verwenden bevorzugt regionale und saisonale Zutaten mit kurzen Lieferwegen.

  • Wir schaffen Raum für Inspiration, indem wir den Eisladen für kulturelle Veranstaltungen nutzen und anbieten.

  • Wir teilen unsere Vision und unser Wissen in Form von Workshops, Vorträgen, Blog-Artikeln und auf Social Media.


Unsere Werte: Wie tun wir das, was wir tun?

  • Beteiligung: Wir involvieren die Menschen in unsere Entscheidungen.

  • Nachhaltigkeit: Wir nutzen ökologische Zutaten und regenerative Energien.

  • Gemeinschaft: Wir denken und handeln generationsübergreifend.

  • Inspiration: Wir bieten Raum für Kunst und Kultur.


Das primäre Ziel dieser Darstellung ist es, die unterschiedlichen Inhaltsebenen zu verdeutlichen. Sobald die Strategie erarbeitet ist, können im nächsten Schritt konkrete Projekte und Aufgaben für die nächsten Monate definiert werden.


Ohne eine nachvollziehbare Strategie, die unter Berücksichtigung von Ressourcen und Fähigkeiten erarbeitet wurde, verliert sich das Team schnell in zu vielen Aufgaben und Projekten.



4. 3 Tipps für nach dem Strategie-Workshop


  1. Nach dem Workshop ist vor dem Workshop: Eine effektive Strategie wird regelmäßig geprüft und angepasst. Das gilt auch für die Mission und Vision. Einmal definiert bedeutet nicht, dass sie dauerhaft und unverändert bestehen bleiben. Es gibt viele Einflussfaktoren, die auf den Markt und die Branche wirken, sowie akute gesellschaftliche, ökologische und soziale Herausforderungen, die eine regelmäßige Prüfung und Korrektur der Strategie erfordern. Eine sinnvolle Methode hierzu ist die SWOT-Analyse.

  2. Um sicherzustellen, dass Strategie, Mission und Vision in der gesamten Organisation verstanden und aktiv umgesetzt werden, ist es entscheidend, diese nicht nur klar und verständlich zu definieren, sondern auch unternehmensweit zu kommunizieren. Diese Informationen haben wenig Mehrwert, wenn sie nur für wenige einsehbar in einem Ordner auf dem Server liegen. Es ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung, dass die Ergebnisse eines Strategie-Workshops sowohl kurzfristig an die gesamte Belegschaft kommuniziert werden als auch langfristig an sinnvollen Stellen im Unternehmen, z. B. durch Präsentationen und Plakate, sichtbar sind.

  3. Eine effektive Strategie-Kommunikation geht dabei auch auf die Gründe ein, die zu den strategischen Entscheidungen geführt haben. Ergänzend empfehle ich anhand von beispielhaften Arbeitssituationen, Verhaltensweisen und Methoden zu erläutern, was es für die Mitarbeitenden und deren Arbeitsalltag bedeutet, die strategischen Potenziale umzusetzen.


Abschließend empfehle ich dir noch den zum Thema passenden Artikel: Planung, Aufbau und Moderation eines Strategie-Workshops.



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